Gebärdensprache ist ein wichtiger Teil der Gehörlosenkultur. Aber was bedeutet es gehörlos zu sein? Wie aufgeschlossen ist unsere Gesellschaft gegenüber Gehörlosen? Wie funktioniert Gebärden genau? Mit diesen Fragen haben wir uns bei unserer Veranstaltung in Kooperation mit dem RPJ Sachsen e.V. am 24.Mai beschäftigt. Unter dem Titel „Gebärden in Politik und Alltag“ wurde der Abend mittels zweier Programmpunkte gestaltet:

  • ein Schnupperkurs in Deutscher Gebärdensprache
  • ein Vortrag zur Gehörlosigkeit in Politik und Alltag mit anschließender Diskussion

 

Durch den Schnupperkurs haben uns für 90 min zwei gehörlose Mitglieder von „Scouts-Gebärdensprache für alle“ geführt. Zunächst wurden grundlegende Informationen vermittelt, wie dass die Gebärdensprache eine eigene Grammatik sowie unterschiedliche Dialekte besitzt. Das Wort „Grün“ z.B. kann durch verschiedene Gebärden dargestellt werden, je nach Region. Auch lassen sich Namen zwar buchstabieren, aber nach einiger Zeit erhält jeder Mensch seine eigene Namensgebärde. Diese beruht auf Eigenschaften oder Aussehen der jeweiligen Person. Während der Einführung wurde noch von zwei Dolmetschenden für die Hörenden in die Lautsprache übersetzt, später in der Gruppenarbeit mit den Sprachkursleiter*innen fanden sie nur noch in Notfällen Einsatz. Dem Feedback nach hat es allen viel Spaß gemacht. Insbesondere die visuelle Art der Sprache war eine sehr kreative Bereicherung. Hoffentlich stellt der kurze Workshop eine Motivation für viel da, sich weiterhin mit der Gebärdensprache auseinanderzusetzen.

Nach einer kurzen Pause mit Snacks und Getränken hat Martin Zierold für eine Stunde einen Vortrag über die Taubenkultur sowie politisches Engagement gehalten. Mittlerweile kamen auch viele Gehörlose aus dem Stadtverband Gehörloser Dresden bzw. dem Landesverband. Zu Martin: Er kommt ursprünglich selbst aus Sachsen, sammelte dort in jungen Jahren bereits negative Erfahrungen im diskriminierenden Bildungssystem und lebt mittlerweile in Berlin. Dort ist er bei BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN aktiv und setzt sich aktiv für die Gehörlosencommunity ein. Gleichzeitig sitzt er auch für die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte. Leider waren und sind Gehörlose von Diskriminierung betroffen und werden teils von der Gesellschaft ausgegrenzt. Früher wurden sie oft noch gezwungen die Lautsprache zu erlernen und Lippen zu lesen. Mit Blick auf die Neufassung des Sächsischen Schulgesetzes kam hingegen der Wunsch auf, Gebärdensprache an allen Schulen auch für Hörende als Wahlpflichtfach anzubieten. Hervorgehoben hat Martin aber auch besonders die Wichtigkeit sich einzumischen und sich für seine Belange einzusetzen.

Im Anschluss an den Vortrag wurde noch viel diskutiert. Hier konnten insbesondere die Hörenden von dem Austausch und den Erfahrungen mit den anwesenden Gehörlosen profitieren. So konnten noch eine Vielzahl von Fragen geklärt und Standpunkte ausgetauscht werden. Daher wollen wir uns noch mal bei allen Teilnehmenden bedanken, vor allem bei den Gehörlosen für ihre Erfahrungen. Ein herzliches Dankeschön geht auch an die Dolmetschenden, die einen super Job gemacht haben, an die Sprachkursdozenten für ihre spannende Vortragsweise und natürlich an Martin für seine riesige Motivation, den Vortrag zu halten!

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