Gestern haben wir mit Lucie Hammecke (@lucies_ecke) darüber gesprochen, wie reproduktive Rechte von Menschen in Schwangerschaftskonfliktsituationen während der COVID19-Pandemie aufrecht erhalten werden können und in welcher Situation Gebärende momentan sind. Dabei hat uns insbesondere die Lage in Sachsen interessiert: 

  • Die in Sachsen geltende Rechtsverordnung sichert den persönlichen Zugang zu den Beratungsstellen, die von jeder schwangeren Person, die einen Abbruch vornehmen möchte, aufgesucht werden müssen. Im Zweifel ist diese auch per Videotelefonie möglich. 
  • COVID19 zeigt auch die prekäre finanzielle Situation vieler Menschen auf. Daher ist es dringend nötig und gut, dass die Antragstellung zur Kostenübernahme des Schwangerschaftsabbruches durch die Krankenkasse ebenfalls online möglich ist. 
  • Obwohl Abtreibungen bei Einhaltung der Beratungspflicht bis zur 12. Woche straffrei sind, kann die Angst entstehen, diese Frist aufgrund der Ausgangsbeschränkung und der momentanen Überlastung vieler medizinischen Einrichtung und Krankenhäuser nicht einhalten zu können. 

Diese Frist und Zwangsberatung kritisieren wir generell, momentan ist jedoch festzuhalten dass Schwangerschaftsabbrüche eben keine verschiebbaren oder planbaren, sondern absolut dringende Eingriffe sind. Kein Krankenhaus und keine Ärzt*in, kann jedoch zur Durchführung eines Abbruches verpflichtet werden. Daher appellieren wir hier an diese die Versorgungssituation weiterhin sicherzustellen. 

Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene telemedizinische Betreuung bei medikamentöser Abtreibung wird in Deutschland bisher nicht durchgeführt, doch in den großen Krankenhäusern in Sachsen ist es auch positiv auf Covid 19 gegessen Menschen möglich, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. 

Auch die Grenzschließungen sind für einige Frauen problematisch. Besonders hart betroffen sind Frauen aus den östlichen Nachbarländern Deutschlands, die für einen medizinisch sorgfältigen und sicheren Schwangerschaftsabbruch normalerweise nach Deutschland reisen. Dies ist ihnen nun nicht mehr möglich und die Gefahr besteht, dass sie auf unsichere und gefährliche Alternativen zurückgreifen müssen. Es ist wichtig für diese Probleme Bewusstsein zu schafffen, Mitmenschen über die bestehenden Ungerechtigkeiten zu informieren und die Grenzen endlich wieder zu öffnen.
In den letzten Tagen kamen immer mehr Meldungen darüber, dass Begleitpersonen und/oder Partner*innen der Zugang zu Geburtsstationen verwehrt wurde. Frauen* und Gebärende waren in einer Ausnahmesituation auf sich allein gestellt. Dieses Vorgehen verurteilen wir stark! 

Diese Vorgehen liegt in der Entscheidungsermächtnis der Krankenhäuser – an sie gilt es zu appellieren, diese sinnlosen, diskriminierenden Praktiken zu beenden.

Entgegen der Begründung der Zutrittsbeschränkung zu den Kreißsälen, handelt es sich bei den Begleitpersonen meist um die Intimpartner*innen der Gebärenden. Falls bei einer der beiden Personen eine Infektion nachgewiesen sein sollte, so trifft dies mot hoher Wahrscheinlichkeit auch auf den/die Partner*in zu. Ein Ausschluss unter Begründung der Infektion von nur einer Person ist also haltlos. 

Nicht zuletzt kann die Entscheidung einzelner Krankenhäuser dazu führen, dass – um die Anwesenheit des Partners zu garantieren – vermehrt Hausgeburten durchgeführt werden, die wiederum zu mehr Komplikationen führen können und die Sicherheit der Gebärenden gefährden. Auch die Problematik um Gewalt bei der Geburt ist nun besonders zu betrachten, wenn keine weitere Person ausschließlich für die gebärende Person da ist.