15. Februar 2021

Valentinstag. Wofür unsere Herzen wirklich schlagen: Feminizide beenden



Pressemitteilung 14.02.2021

Anlässlich des Valentinstages am 14. Februar macht die GRÜNE JUGEND auf Gewalt gegen Frauen und insbesondere auf Feminiziden aufmerksam, denn die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Anzahl der Opfer sogar steigt.

Merle Spellerberg, Landessprecherin der GRÜNEN JUGEND Sachsen:

„Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem (Ex-)Partner ermordet. Viel zu häufig lautet dann die Schlagzeile „Familiendrama“ oder „tragischer Beziehungsstreit“. Diese Morde an Frauen müssen als Feminizid anerkannt und benannt werden. Alleine in Deutschland wurden 301 Frauen im Jahr 2019 getötet. Die Zahl der versuchten Morde liegt wesentlich höher, von der Dunkelziffer ganz abgesehen. Es braucht eine unabhängige Beobachtungsstelle, welche die Fälle erfasst und auswertet und darauf basierend Maßnahmen entwickelt. Insbesondere auch jetzt, wo wir im Lockdown zuhause sind, sind Frauen besonders gefährdet.“

Ella Hanewald, genderpolitische Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Sachsen ergänzt:

„Der Ausbau von Frauenhäusern, vor allem im ländlichen Raum, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch muss daran gearbeitet werden, dass Frauenhäuser ein Ort werden, wo alle Frauen willkommen sind. Eine transexklusive Politik diskriminiert und kostet Leben. Neben der vollständigen Umsetzung der Istanbul-Konvention, braucht es weiterhin Sensibilisierung und Bildung, die so früh wie möglich ansetzt. Patriarchale Strukturen töten und Kinder müssen bereits in der Kita und Schule entsprechende altersgerechte Bildung erfahren. Wir begrüßen zudem die im vergangenen Herbst beschlossenen Maßnahmen des sächsischen Landtags zu Weiterbildungsmaßnahmen der Polizei und Justiz zu geschlechtsspezifischer Gewalt und erwarten eine zügige Umsetzung.

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Hintergrund/Erläuterungen:
Die Begriffe Femizid und Feminizid werden oft synonym verwendet, haben aber nicht die gleiche Bedeutung.  Alle Feminizide sind Tötungen von Frauen, aber nicht alle Tötungen von Frauen sind Feminizide. Femizid und Feminizid unterscheiden sich in ihrer Definition hauptsächlich mit dem Merkmal der Straflosigkeit und der Verantwortung des Staates.
Definition Femizid
Femizid ist die von Akteuren bega/ngene oder tolerierte Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Dieser Begriff deckt eine Vielzahl von Verbrechen wie Mord in einer Partnerschaft, Tötung im „Namen der Ehre“, gezieltes Töten in bewaffneten Konflikten oder Fälle im Bezug zu organisierter Kriminalität und Menschenhandel ab. Der Begriff Femizid bezeichnet den gewaltsamen Tod der Frauen infolge eines Verbrechens. Definition Feminizid
Der Begriff Feminizide betrachtet hingegen die Rolle staatlicher Institutionen und Akteure in der Bekämpfung von Tötungen an Frauen. Er wird verwendet um die mangelnde Reaktion des Staates und der Öffentlichkeit zu thematisieren und die Elemente der Straflosigkeit und der institutionellen Gewalt hervorzuheben. Ergo, welche Maßnahmen von staatlicher Seite getroffen werden  und welche nicht, um Tötungen zu verhindern. Der Begriff soll bestimmte Frauenmorde als eine Form von Hasskriminalität sichtbar machen und den Blick auf deren gesellschaftlichen Kontext lenken, sprich Tötungsdelikte an Frauen als Folge von Geschlechterdiskriminierung. Das bedeutet, Feminizide als extremen Ausdruck ungleicher Geschlechterverhältnisse und männlicher Dominanz zu fassen und nach den gesellschaftlichen Bedingungen zu fragen, die es erlauben, dass solche Taten überhaupt stattfinden können. Von Feminiziden zu sprechen, macht diese Tötungen von Frauen nicht nur sichtbar, sondern hilft auch dabei, politische Gegenwehr zu mobilisieren. Um so zu differenzieren, um so die Gesamtheit der Verletzung der Menschlichkeit, die die Verbrechen an den Frauen und ihr Verschwinden kennzeichnen, zu benennen. Hilfsangebote Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung werden Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung – jeden Tag rund um die Uhr unterstützt. Quellen: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/haeusliche-gewalt/80642
https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2019.html?nn=63476



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