15. Dezember 2021

Angriff auf DITIB-Moschee im Rahmen einer spontanen Demonstration der linksradikalen Szene



Ella Hanewald, Landessprecherin der GRÜNEN JUGEND Sachsen, ordnet ein:
„Wir verurteilen den Angriff auf eine Moschee im Leipziger Osten schärfstens. Antifaschistische Aktionen, wie z.B. Demonstrationen, sind und bleiben notwendig, dürfen aber niemals auf dem Rücken von Leuten ausgeführt werden, die bereits marginalisiert sind. Systemkritik wird nicht erreicht, indem muslimische Rückzugsorte angegriffen und die lokale Bevölkerung verängstigt und im schlimmsten Fall retraumatisiert wird.

Kritik an der Erdogan-nahen DITIB Moschee ist berechtigt, darf aber nicht in Gewalt und Zerstörung enden. Der Leipziger Osten ist ein mehrheitlich migrantisch geprägtes Viertel, wo viele verschiedene Muslim*innen mit den unterschiedlichsten Hintergründen leben. Deswegen ist es falsch, hier zu verallgemeinern und einen Rückzugsort zu beschädigen, der von vielen, unterschiedlichen Gläubigen besucht wird, die z.T. weder mit DITIB noch den faschistischen Grauen Wölfen sympathisieren und auch keinen Einblick in türkische Politik haben. Die grobe Gewaltanwendung ist kontraproduktiv, wenn es um Akzeptanz und Verständigung innerhalb Leipzigs, Sachsens und ganz Deutschlands geht.“

Charlotte Henke, Landessprecherin der GRÜNEN JUGEND, ergänzt:
„Die sinnlose Beschädigung eines Gotteshauses, im Kontext einer linksautonomen Demonstration, ist ein Weckruf. Wir müssen es als Linke schaffen, eine legitime Religionskritik zu äußern, gerade auch in Solidarität mit jenen, die von Islamismus bedroht sind. Dies darf aber nicht mit plumpen Gleichsetzungen einhergehen. Das stellvertretende Führen eines Kampfes durch nicht betroffene, meist weiße Akteure ist zudem als bevormundend abzulehnen. Solche Konflikte müssen immer Seite an Seite mit der Community geführt werden und nicht in einem Alleingang, der die eigene Analyse arrogant über die Bedürfnisse und Einsichten der Betroffenen stellt. Eine Gleichsetzung des gesamten Islams mit Unterdrückungsideologien wie Rassismus oder Antisemitismus lehnen wir als unüberlegte Verallgemeinerung ab. Mit besagter „Islamkritik“ werden oft stumpfe rassistische Vorurteile bedient und ein sinnvoller Diskurs mit der lokalen, muslimischen Gemeinde verhindert.

Wir schauen enttäuscht auf diese spaltende Straftat und wünschen uns stattdessen eine respektvolle, solidarische und antirassistische Zusammenarbeit der mehrheitlich weißen linken Akteure der Stadt und der migrantischen bzw. muslimischen Community. Es ist erneut zu betonen, dass Antifaschismus Bündnissache ist und die Bekämpfung von faschistischen Tendenzen innerhalb Sachsens und global nur gemeinsam gelingen kann!“



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