Selbstbestimmt solidarisch statt verpflichtend dienen
Beschluss der 2. Landesmitgliederversammlung 2025
25.10.2025 | Dresden
– weiter unten in einfacher Sprache –
Wir als GRÜNE JUGEND Sachsen lehnen jegliche Vorschläge zu einem Pflichtdienst
entschieden ab. Insbesondere eine Wehrpflicht kommt für uns nicht in Frage! Wir
beobachten die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht mit Besorgnis. Ideen, wie mit
einem Losverfahren über die Musterung und ggf. sogar die Einberufung zum
Wehrdienst zu entscheiden, sind nicht nur völlig absurd, sondern vor allem auch
willkürlich und daher womöglich auch verfassungswidrig[1]. Wer Dienst an der
Waffe leisten möchte, soll dies tun können. Junge Menschen zum Dienst an der
Waffe zu verpflichten geht aber zu weit. Wir stellen klar: Wir wollen nicht für
Deutschland sterben und wir lassen uns nicht dazu zwingen!
Auch die Einführung eines verpflichtenden “Gesellschaftsjahres” halten wir für
falsch. Die Annahme, junge Menschen würden sich nicht genug gesellschaftlich
engagieren, ist falsch. Aus dem Bericht des Bundesministeriums für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend geht hervor, dass sich junge Menschen sogar mehr in
das freiwillige gesellschaftliche Engagement einbringen als der Rest der
Bevölkerung[2]. Die Forderung, dass junge Menschen jetzt dazu verpflichtet
werden sollen, in einem Jahr der Gesellschaft zu dienen, halten wir also nicht
nur für einen massiven Einschnitt in unsere Freiheits- und
Selbstbestimmungsrechte, sondern auch für eine grobe Missachtung unseres
freiwilligen Engagements.
Wir setzen, statt auf Zwänge, auf bessere Anreize für gesellschaftliches
Engagement. Das bedeutet zum einen eine bessere Vergütung in den
Freiwilligendiensten wie dem FSJ oder FÖJ. Denn für Menschen mit angespannter
finanzieller Situation ist die Machbarkeit eines freiwilligen sozialen Jahres
oft schwer, da dieses nicht genug zum Leben bereitstellt. Nicht jede*r hat eine
Familie, die einen während des Freiwilligendienstes finanziell unterstützen
kann. Hier geht es aber um mehr als nur ums Überleben. Hier geht es um das gute
Leben. Warum sollte man sich freiwillig melden, um dann in einem harten Job weit
unter Mindestlohn bezahlt zu werden. Es fehlt schlichtweg die gesellschaftliche,
politische und finanzielle Wertschätzung. Freiwilligendienste sind nicht dazu
da, um die Versäumnisse der Politik auszugleichen. Sie sollen ein Verständnis
für gesellschaftliches Engagement schaffen. Dafür muss die Politik auch Geld
bereitstellen. Wir sehen nicht, dass dies passieren wird. Wir haben die
berechtigte Sorge, dass so nur mehr Menschen gezwungen werden, als billige
Arbeitskräfte zu dienen. Das schädigt im Weiteren auch gut ausgebildete
Arbeitskräfte in ihren Arbeitskämpfen. Statt das Gehalt und die
Arbeitsbedingungen von einigen Branchen, wie etwa in der Pflege, zu verbessern,
will sich die Politik darauf ausruhen, Jugendliche auszubeuten. Nicht mit uns!
Demokratieverdrossenheit bekämpfen
Jugendliche würden sich mehr in die Gesellschaft einbringen, wenn sie auch das
Gefühl hätten, von ihr ebenfalls unterstützt zu werden. Da liegt das eigentliche
Problem der Idee von einem verpflichtenden Gesellschaftsjahr. Es soll versucht
werden, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, in der Annahme, junge
Menschen würden so Demokratie lernen. Doch junge Menschen sind von unserer
Demokratie enttäuscht, da sie zu oft ihre Interessen ignoriert. In den letzten
Jahren haben junge Menschen keine große Beachtung in der Politik gefunden. Zur
Corona-Zeit wurden sie fast komplett von ihr vergessen. Das ist eine Kritik, die
sich auch BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN gefallen lassen muss. Wer möchte, dass sich
junge Menschen wieder mehr für Demokratie begeistern und gesellschaftlich
einbringen, muss ihnen ein Zukunftsversprechen geben, für das es sich lohnt zu
kämpfen. Das bedeutet: Es darf nicht mehr am Sozialstaat gespart werden und es
muss für Chancengleichheit gesorgt werden. Wer die Zukunftsängste junger
Menschen nicht ernst nimmt, riskiert die steigende Politikverdrossenheit weiter.
Wer junge Menschen wieder für BÜNDNISGRÜNE Politik gewinnen will, muss ein
anderes Angebot vorlegen, denn damit stößt man unsere Generation nur nachhaltig
von sich weg.
[2] freiwilliges Engagement in Deutschland
– in einfacher Sprache –
Selbstbestimmt solidarisch statt verpflichtend
dienen
Wir wollen keine Wehrpflicht. Uns macht die Diskussion über die Wehrpflicht
Angst. Ein Losverfahren für die Bundeswehr ist undemokratisch. Das ist eine
schlechte Idee. Wer bei der Bundeswehr arbeiten will, kann das freiwillig tun.
Niemand sollte dazu gezwungen werden. Wir wollen nicht für Deutschland sterben.
Wir lassen uns nicht zwingen!
Wir finden ein Pflicht-Gesellschafts-Jahr falsch. Junge Menschen helfen oft
freiwillig. Ein Pflicht-Jahr nimmt uns die Freiheit. Es zeigt keinen Respekt für
unser freiwilliges Helfen.
Wir wollen Anreize statt Zwänge. Engagement heißt, freiwillig zu helfen. Wenn
mehr Geld bezahlt wird, gibt es auch mehr. Viele haben wenig Geld zum Leben. Sie
können sich das freiwillige Jahr oft nicht leisten. Freiwillige Arbeit soll
wertgeschätzt werden. Sie soll nicht schlecht bezahlt sein. Freiwillige Arbeit
ist wichtig für die Gesellschaft. Sie soll nicht die Fehler der Politik
reparieren. Die Politik soll mehr Geld für Freiwillige ausgeben. Wir glauben
nicht, dass die Politik das macht. Sie wollen Menschen zwingen, für wenig Geld
zu arbeiten. Das schadet auch den gut ausgebildeten Arbeitern. Denn die bekommen
dann keine Lohnerhöhung.
Vertrauen in die Politik stärken
Jugendliche helfen mehr in der Gesellschaft, wenn sie Unterstützung spüren. Ein
Pflicht-Gesellschafts-Jahr soll den Zusammenhalt stärken. Man denkt, junge
Menschen lernen so Demokratie. Aber das stimmt nicht. Junge Menschen sind
enttäuscht von der Demokratie. Sie finden, die Politik hört nicht auf sie. In
den letzten Jahren beachtet die Politik junge Menschen wenig. In der Corona-Zeit
hat die Politik sie fast vergessen. Unsere Partei muss das ändern. Wir wollen,
dass junge Menschen wieder an Demokratie glauben. Dafür brauchen junge Menschen
ein Versprechen für die Zukunft. Es muss sich lohnen, für die Zukunft zu
kämpfen. Der Staat darf nicht weniger Geld für soziale Hilfe geben. Alle
Menschen sollen die gleichen Chancen bekommen. Wir müssen die Sorgen junger
Menschen ernst nehmen. Ein Pflicht-Gesellschafts-Jahr beschädigt das Vertrauen
von jungen Menschen.
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